|
Der furchtbare Fall Nadine ist noch in guter Erinnerung, da alarmiert uns schon der Nächste. Kinder müssen ganz offensichtlich auch darunter leiden, dass notwendige Unterstützungssysteme für überforderte Eltern im Landkreis Gifhorn nicht effektiv genug arbeiten. Fünf Kinder wurden von der Polizei in verwahrlostem Zustand aus einer Wohnung befreit.
Die grundsätzliche Problematik war dem Jugendamt bekannt, gleichwohl war die fachliche Unterstützung im Herbst 2007 eingestellt und durch ein ganz offensichtlich eher grobmaschiges Netz von Familienhilfe und Opstapje ersetzt worden. Das Ergebnis ist erschreckend.
Auf dem Hintergrund dieses Vorfalls ist die erklärte Absicht der politischen Mehrheit aus CDU, FDP und Unabhängigenzu sehen, mit Unterstützung einer externen Firma im Bereich der Jugend- und Sozialhilfe 1,5 Mio Euro im Kreishaushaltes einzusparen, „ohne gravierende Qualitätseinbuße“, wie man hört
Nun ist es sicherlich so, dass vergleichbare Jugendämter in Niedersachsen sich in den letzten 20 Jahren deutlich positiver und moderner entwickelt haben als das Jugendamt im Landkreis Gifhorn. Es besteht kaum ein Zweifel, dass bei der Planung und der Koordination der Jugendhilfe im Landkreis Gifhorn erheblicher Optimierungs-bedarf besteht. Schließlich wird auch die Vakanz in der Fachbereichsleitung eine erhebliche Rolle spielen.
Dies ändert aber nichts an der grundsätzlichen Situation, dass die Bezirkssozial-arbeiterInnen viel zu wenig Potenzial haben und dass auch die Unterstützungs-möglichkeiten der freien Träger nicht genügend für die Arbeit an und mit den Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Die Fallzahlen bei den BezirkssozialarbeiterInnen sind so hoch, dass sie zwangsläufig zu einer permanenten Überforderung führen müssen und Ratsuchende nur unzureichend betreut werden können. Dass es so dazu kommen kann, dass Kinder, Jugendliche und Familien nicht die notwendige Unterstützung bekommen, ist fast schon logisch. Aber die eigentlich zwingende Überlegung wird nicht angestellt: Es muss mehr qualifiziertes Personal zur Verfügung stehen.
Für Bezirkssozialarbeit im Landkreis Gifhorn stehen lediglich 11,25 Stellen zur Verfügung. Dazu kommen noch zwei Stellen für Kriseninterventionsdienste. Die externe Beratungsfirma hält dies für völlig ausreichend wir können von Glück reden, dass hier nicht gekürzt werden soll. Aber die dringend notwendige Einrichtung einer Koordinationsstelle für die sozialen Dienste der Jugendhilfe (fachliche Telefon- und persönliche Beratung als Clearingstelle) soll aus offenbar als dem beschriebenen Personalbudget erwirtschaftet werden.
Nötig sind natürlich andere Konzepte. So wäre denkbar:
1. Eine MitarbeiterIn des Jugendamtes besucht jede Familie, in der ein Kind geboren wurde, zeitnah mit einem Begrüßungs- und Servicepaket. So wird der erste Kontakt zum „Amt“ hergestellt, Vertrauen wird aufgebaut und Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt.
2. Der Bezirkssozialarbeit in der Jugendhilfe wird regionalisiert. Das Jugendamt baut zusammen mit freien Träger ortsnah ein Unterstützungssystem auf, das mit den Kindertagesstätten, den Schulen, Jugendzentrentren, mit der Kinder- und Jugendarbeit in Vereinen und den Kirchengemeinden vernetzt wird. So können auf breiter Basis Informationen gesammelt, niederschwellige Zugangsmöglichkeiten geschaffen und schnelle Interventionsstrategien umgesetzt werden.
|