|
Entscheidung im Kreistag gefallen:
Erste IGS kommt in die Sassenburg
(rtm) Die erste Integrierte Gesamtschule des Landkreises entsteht in der Sassenburg. Das entschied der Kreistag gestern Nachmittag in einer bunten Mehrheit quer durch die Fraktionen. 14 Redner hatten sich in einer lebhaften Debatte zu Wort gemeldet. »Es gab fachliche und sachliche Argumente für und wider beide Standorte. 15 Kreistagsabgeordnete stimmten für einen Eilantrag der Grünen zu Gunsten der Stadt Gifhorn, in der zweiten Abstimmung waren es 37 Stimmen für die Sassenburg. „Eine IGS muss von Anfang an richtig gute Rahmenbedingungen haben“: Die sieht Fredegar Henze (Grüne) nur in der Stadt, seine Kollegin Nicole Wockenfuß nannte eine Kooperation mit der benachbarten Berufsschule als Beispiel. „Es nützt uns nichts, Haupt- und Realschüler zusammenzuführen, die IGS muss auch für Gymnasiasten attraktiv sein.“ Sabine Lehmberg (SPD) hält das in einer Stadt für wahrscheinlicher. „Letztlich werden Eltern und Schüler mit den Füßen abstimmen. In Gifhorn wäre das gegangen“, sagte Dr. Stefan Armbrecht (FDP). „Das Wichtigste ist die inhaltliche Arbeit einer Schule, dann ist für Eltern zweitrangig, ob die Schule in Gifhorn oder wenige Kilometer entfernt liegt“, warb Landrätin Marion Lau für den Standort Sassenburg. „Das Wichtigste ist das Kollegium“, stimmte Rüdiger Elgner (CDU) für die Sassenburg, die auch mit Mensa, Busbahnhof und großzügiger Fläche punkten könne. „Beide Standorte sind pädagogisch gleichwertig.“ Weil die Sassenburg aber billiger sei, stimmte Walter Schulze (CDU) für sie.
|
|
Gifhorn verdient IGS nicht
Kreistag spricht sich mit überwiegender Mehrheit für Sassenburg aus
Von Carola Peiser
Gifhorn. 38 Ja-, neun Neinstimmen und sieben Enthaltungen - das war das Ergebnis, mit dem sich die Kreistagsmitglieder gestern nach einer langen Diskussion mit überwiegender Mehrheit für das Schulzentrum Sassenburg als IGS-Standort entschieden haben.
Was insbesondere in den vergangenen Wochen hochkochte, wurde gestern endlich entschieden - wobei selbst innerhalb der Fraktionen die Meinungen auseinander gingen. Einzig Bndnis 90/Die Grnen zeigten Einigkeit und sprachen sich fr den Standort in Gifhorn aus. "In der ganzen Standortdiskussion ist die Einrichtung ansich einer IGS zu kurz gekommen", war Helmut Kuhlmann, CDU-Fraktionsvorsitzender, der Meinung.
Viel Kritik wurde gestern an der Vorgehensweise der Stadt Gifhorn und am Auftreten sowie abfälligen Bemerkungen in Richtung Sassenburg von Ulrich Stenzel, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gifhorner Stadtrat, geäußert. Von Stenzel hätte Fredegar Henze (Grüne) erwartet, dass er sich über die Verwirklichung der Schulform freut, habe die SPD doch seit Jahren für eine IGS gekämpft, "aber so ist der Eindruck entstanden, dass Gifhorn die Schule gar nicht haben will". Kuhlmann merkte an, dass Meine und Meinersen die Flächen dem Kreis kostenlos überlassen haben. Dem entgegnete Jürgen Völke (Unhabhängige): "Die Stadt Gifhorn hat 40 Millionen Schulden und kann eine Schule nicht einfach verschenken." Er hätte sich den Einsatz und die Unterstützung der Sassenburger in Gifhorn allerdings auch gewünscht. "Vielleicht ist der Kampf in der Politik zu hart gekämpft worden", merkte der Sassenburger Helmut Herrmann (CDU) an.
Betont wurde gestern im Kreistag stets, dass beide Standorte ihr Für und Wider haben. Allerdings war Henze der Meinung, dass man in Gifhorn eher die Schülerklientel zusammenbekomme, für die eine IGS gute Startbedingungen biete. Für Kuhlmann stand allerdings schon zu Beginn der Diskussion fest, dass letztendlich der Preis die Abstimmung entscheiden werde. Schließlich habe die Gemeinde Sassenburg ihr Kostenangebot modizfiziert und somit sei die Sassenburg um 3,2 Millionen Euro günstiger als Gifhorn.
"Es ist schade um die Arbeit der Lenkungsgruppe. Seit der Empfehlung Anfang März wurde alles zerredet", befand Niklas Herbermann (Unabhängige). Es sei notwendig gewesen, dass sich die Stadt Gifhorn hätte finanziell bewegen müssen. "Wäre die Stadt auf 1 Million Euro gegangen, hätte die Beschlussvorlage heute anders ausgesehen. Gifhorn hat den Standort nicht verdient."
Finanzen, Infrastruktur oder politische Befindlichkeiten... "Gifhorn ist schön, ich liebe es, aber die Stadt ist nicht der Nabel der Welt und fünf Kilometer östlich fängt auch nicht die Wildnis an", betonte der Grußendorfer Ulrich Albrecht (SPD). Politik stelle den Rahmen und nicht das Korsett, schließlich sei es wichtig, was eine Schule bietet und nicht wo sie steht. "Die Eltern werden schauen, was in der Schule passiert und da ist es egal, ob sie aus Gifhorn oder Knesebeck kommen", so Albrecht. Und auch Rüdiger Elgner (CDU) war der Meinung, dass eine IGS nur so gut sein kann, wie die Menschen, die dahinter stehen. Letztendlich würden mehrere Kriterien für Sassenburg sprechen: "Der Gebäudezustand ist top, es gibt genügend Fläche, es gibt einen Busbahnhof und auch die Mensa ist hochwertig ausgestattet."
|
|
Kreistag stimmt für "Schule auf dem Land"
Gemeinde überzeugt mit Herz - "Stadt hat sich verzockt"
Von Barbara Benstem und Jörg Brokmann
GIFHORN. In Bayern würde man es Watschen nennen. Mit gesenkten Häuptern trotten die Stadtpolitiker durch den Rittersaal des Schlosses. Die 37 Ja-Stimmen für Sassenburg als IGS-Standort bedeuten eine Niederlage, mit der in dieser Deutlichkeit niemand gerechnet hatte.
Landrätin Marion Lau brachte es in ihrem Beschlussvorschlag für den Großteil der Kreistagsmitglieder auf den Punkt: "In der Sassenburg wollen alle die IGS, sie wird etliche Millionen günstiger als in Gifhorn. Ich bin mir sicher, dass es eine attraktive IGS werden wird, zu der auch Eltern ihr Kind mit Gymnasial-Empfehlung geben werden." Dieser Auffassung stimmten auch zuvor Unentschlossene zu.
Der Gifhorner Dr. Stefan Armbrecht (FDP) übte sich in Selbstkritik: "Die Stadt hat sich verzockt. Unsere Politiker verhielten sich zu pomadig." Während sich Sassenburgs Bürgermeister Volker Arms im Zuschauerraum die Hände rieb, ließ sich die städtische Verwaltungsspitze im Kreistag nicht blicken. Helmut Hermann (CDU) aus Neudorf-Platendorf hielt derweil ein flammendes Plädoyer für die "Schule auf dem Land". Er bemühte außer Hermann Hesse ("das Unmögliche versuchen") auch das Wetter: "Der Regen spricht für den Außenseiter." Und er sollte Recht bekommen.
Der Eil-Antrag von Fredegar Henze (Grüne) pro Gifhorn wurde abgeschmettert. Einen Grund glaubte er selbst zu kennen. "Wenn von Seiten des Bürgermeisters unwidersprochen von ,Deppenschule? geredet wird, tut man der Stadt keinen Gefallen."
Thomas Reuter (CDU), der für Gifhorn gestimmt hatte, bezweifelt, dass Gifhorner Kinder mit gymnasialer Oberstufenempfehlung auf die Sassenburger IGS gehen werden. "Ich habe jedenfalls große Bedenken, was die Zukunft einer Oberstufe dort betrifft."
Gisbert Sell (Chef der CDU-Stadtfraktion) bleibt dabei: "Gifhorn ist der bessere Standort". Allerdings habe er nicht mit diesem Abstimmungsergebnis gerechnet. Sell: "Die Signale waren andere."
Nicole Wockenfu§ (Grüne) fügt hinzu: "Wenn sich bei so einer Entscheidung heute nicht mal der Gifhorner Bürgermeister blicken lässt und ein Signal für Gifhorn setzt, muss man sich nicht wundern."
|