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Bündnis 90/Die Grünen

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Exklusiv auf dieser Webseite:
Die aktuelle Berichterstattung der drei Gifhorner Tageszeitungen
über die Kreistagssitzung am 29. April 2009 im Vergleich

Standort-Entscheidung für Integrierte Gesamtschule (IGS)


Entscheidung im Kreistag gefallen:
Erste IGS kommt in die Sassenburg

(rtm) Die erste Integrierte Gesamtschule des Landkreises entsteht in der Sassenburg. Das entschied der Kreistag gestern Nachmittag in einer bunten Mehrheit quer durch die Fraktionen. 14 Redner hatten sich in einer lebhaften Debatte zu Wort gemeldet. »Es gab fachliche und sachliche Argumente für und wider beide Standorte. 15 Kreistagsabgeordnete stimmten für einen Eilantrag der Grünen zu Gunsten der Stadt Gifhorn, in der zweiten Abstimmung waren es 37 Stimmen für die Sassenburg. „Eine IGS muss von Anfang an richtig gute Rahmenbedingungen haben“: Die sieht Fredegar Henze (Grüne) nur in der Stadt, seine Kollegin Nicole Wockenfuß nannte eine Kooperation mit der benachbarten Berufsschule als Beispiel. „Es nützt uns nichts, Haupt- und Realschüler zusammenzuführen, die IGS muss auch für Gymnasiasten attraktiv sein.“ Sabine Lehmberg (SPD) hält das in einer Stadt für wahrscheinlicher. „Letztlich werden Eltern und Schüler mit den Füßen abstimmen. In Gifhorn wäre das gegangen“, sagte Dr. Stefan Armbrecht (FDP). „Das Wichtigste ist die inhaltliche Arbeit einer Schule, dann ist für Eltern zweitrangig, ob die Schule in Gifhorn oder wenige Kilometer entfernt liegt“, warb Landrätin Marion Lau für den Standort Sassenburg. „Das Wichtigste ist das Kollegium“, stimmte Rüdiger Elgner (CDU) für die Sassenburg, die auch mit Mensa, Busbahnhof und großzügiger Fläche punkten könne. „Beide Standorte sind pädagogisch gleichwertig.“ Weil die Sassenburg aber billiger sei, stimmte Walter Schulze (CDU) für sie.

Gifhorn verdient IGS nicht
Kreistag spricht sich mit überwiegender Mehrheit für Sassenburg aus

Von Carola Peiser
Gifhorn. 38 Ja-, neun Neinstimmen und sieben Enthaltungen - das war das Ergebnis, mit dem sich die Kreistagsmitglieder gestern nach einer langen Diskussion mit überwiegender Mehrheit für das Schulzentrum Sassenburg als IGS-Standort entschieden haben.
Was insbesondere in den vergangenen Wochen hochkochte, wurde gestern endlich entschieden - wobei selbst innerhalb der Fraktionen die Meinungen auseinander gingen. Einzig BŸndnis 90/Die GrŸnen zeigten Einigkeit und sprachen sich fŸr den Standort in Gifhorn aus. "In der ganzen Standortdiskussion ist die Einrichtung ansich einer IGS zu kurz gekommen", war Helmut Kuhlmann, CDU-Fraktionsvorsitzender, der Meinung.
Viel Kritik wurde gestern an der Vorgehensweise der Stadt Gifhorn und am Auftreten sowie abfälligen Bemerkungen in Richtung Sassenburg von Ulrich Stenzel, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gifhorner Stadtrat, geäußert. Von Stenzel hätte Fredegar Henze (Grüne) erwartet, dass er sich über die Verwirklichung der Schulform freut, habe die SPD doch seit Jahren für eine IGS gekämpft, "aber so ist der Eindruck entstanden, dass Gifhorn die Schule gar nicht haben will". Kuhlmann merkte an, dass Meine und Meinersen die Flächen dem Kreis kostenlos überlassen haben. Dem entgegnete Jürgen Völke (Unhabhängige): "Die Stadt Gifhorn hat 40 Millionen Schulden und kann eine Schule nicht einfach verschenken." Er hätte sich den Einsatz und die Unterstützung der Sassenburger in Gifhorn allerdings auch gewünscht. "Vielleicht ist der Kampf in der Politik zu hart gekämpft worden", merkte der Sassenburger Helmut Herrmann (CDU) an.
Betont wurde gestern im Kreistag stets, dass beide Standorte ihr Für und Wider haben. Allerdings war Henze der Meinung, dass man in Gifhorn eher die Schülerklientel zusammenbekomme, für die eine IGS gute Startbedingungen biete. Für Kuhlmann stand allerdings schon zu Beginn der Diskussion fest, dass letztendlich der Preis die Abstimmung entscheiden werde. Schließlich habe die Gemeinde Sassenburg ihr Kostenangebot modizfiziert und somit sei die Sassenburg um 3,2 Millionen Euro günstiger als Gifhorn.
"Es ist schade um die Arbeit der Lenkungsgruppe. Seit der Empfehlung Anfang März wurde alles zerredet", befand Niklas Herbermann (Unabhängige). Es sei notwendig gewesen, dass sich die Stadt Gifhorn hätte finanziell bewegen müssen. "Wäre die Stadt auf 1 Million Euro gegangen, hätte die Beschlussvorlage heute anders ausgesehen. Gifhorn hat den Standort nicht verdient."
Finanzen, Infrastruktur oder politische Befindlichkeiten... "Gifhorn ist schön, ich liebe es, aber die Stadt ist nicht der Nabel der Welt und fünf Kilometer östlich fängt auch nicht die Wildnis an", betonte der Grußendorfer Ulrich Albrecht (SPD). Politik stelle den Rahmen und nicht das Korsett, schließlich sei es wichtig, was eine Schule bietet und nicht wo sie steht. "Die Eltern werden schauen, was in der Schule passiert und da ist es egal, ob sie aus Gifhorn oder Knesebeck kommen", so Albrecht. Und auch Rüdiger Elgner (CDU) war der Meinung, dass eine IGS nur so gut sein kann, wie die Menschen, die dahinter stehen. Letztendlich würden mehrere Kriterien für Sassenburg sprechen: "Der Gebäudezustand ist top, es gibt genügend Fläche, es gibt einen Busbahnhof und auch die Mensa ist hochwertig ausgestattet."

Kreistag stimmt für "Schule auf dem Land"
Gemeinde überzeugt mit Herz - "Stadt hat sich verzockt"

Von Barbara Benstem und Jörg Brokmann
GIFHORN. In Bayern würde man es Watschen nennen. Mit gesenkten Häuptern trotten die Stadtpolitiker durch den Rittersaal des Schlosses. Die 37 Ja-Stimmen für Sassenburg als IGS-Standort bedeuten eine Niederlage, mit der in dieser Deutlichkeit niemand gerechnet hatte.
Landrätin Marion Lau brachte es in ihrem Beschlussvorschlag für den Großteil der Kreistagsmitglieder auf den Punkt: "In der Sassenburg wollen alle die IGS, sie wird etliche Millionen günstiger als in Gifhorn. Ich bin mir sicher, dass es eine attraktive IGS werden wird, zu der auch Eltern ihr Kind mit Gymnasial-Empfehlung geben werden." Dieser Auffassung stimmten auch zuvor Unentschlossene zu.
Der Gifhorner Dr. Stefan Armbrecht (FDP) übte sich in Selbstkritik: "Die Stadt hat sich verzockt. Unsere Politiker verhielten sich zu pomadig." Während sich Sassenburgs Bürgermeister Volker Arms im Zuschauerraum die Hände rieb, ließ sich die städtische Verwaltungsspitze im Kreistag nicht blicken. Helmut Hermann (CDU) aus Neudorf-Platendorf hielt derweil ein flammendes Plädoyer für die "Schule auf dem Land". Er bemühte außer Hermann Hesse ("das Unmögliche versuchen") auch das Wetter: "Der Regen spricht für den Außenseiter." Und er sollte Recht bekommen.
Der Eil-Antrag von Fredegar Henze (Grüne) pro Gifhorn wurde abgeschmettert. Einen Grund glaubte er selbst zu kennen. "Wenn von Seiten des Bürgermeisters unwidersprochen von ,Deppenschule? geredet wird, tut man der Stadt keinen Gefallen."
Thomas Reuter (CDU), der für Gifhorn gestimmt hatte, bezweifelt, dass Gifhorner Kinder mit gymnasialer Oberstufenempfehlung auf die Sassenburger IGS gehen werden. "Ich habe jedenfalls große Bedenken, was die Zukunft einer Oberstufe dort betrifft."
Gisbert Sell (Chef der CDU-Stadtfraktion) bleibt dabei: "Gifhorn ist der bessere Standort". Allerdings habe er nicht mit diesem Abstimmungsergebnis gerechnet. Sell: "Die Signale waren andere."
Nicole Wockenfu§ (Grüne) fügt hinzu: "Wenn sich bei so einer Entscheidung heute nicht mal der Gifhorner Bürgermeister blicken lässt und ein Signal für Gifhorn setzt, muss man sich nicht wundern."

„Pomadiges Verhalten“ - Kritik an Gifhorn

(rtm) Den Gifhorner Abgeordneten dürften gestern im Kreistag die Ohren geklingelt haben. Auch aus den eigenen Reihen gab es Kritik am Auftreten in der IGS-Standort-Wahl. „Das Verhalten der Gifhorner Politiker hat nicht dazu beigetragen, die Zustimmung für den Standort Gifhorn zu stärken“, sagte ein enttäuschter Helmut Kuhlmann (CDU), der für seine Heimatstadt gestimmt hat. Namentlich nannte er vor allem Äußerungen von SPD-Stadtratsfraktionschef Ulrich Stenzel „kontraproduktiv“. Ines Kielhorn (SPD) vermisste eine Stellungnahme von Manfred Birth. „Als Bürgermeister muss man eine Meinung haben und sie sagen.“ Nicole Wockenfuß (Grüne) machte Birth sogar konkret mitverantwortlich, was Kuhlmann zurück wies. Um den Preis für das Schulgebäude feilschen: „Da haben sich die Gifhorner verzockt“, so Dr. Stefan Armbrecht (FDP), selber Gifhorner. Vielleicht sei es am Schluss sogar „eher um das pomadige Verhalten“ gegangen.

d

Die IGS-Uhren ticken schon - Volker Arms frohlockt - Stadtrat Lippe ist enttäuscht

GIFHORN. Sassenburgs Bürgermeister Volker Arms, als Zuschauer im Kreistag, frohlockte überschwänglich: "Ab sofort ticken bei uns die IGS-Uhren. Genau diese Schule wollten wir als Lösung für die Sassenburg und das Boldecker Land."
ifhorns Erster Stadtrat Walter Lippe, den wir telefonisch erreichten, zeigte sich riesig enttäuscht. "Das ist eine Fehlentscheidung. Wir werden unsere Bedenken der Landesschulbehörde vorlegen. Die planerische Zweckmäßigkeit muss überprüft werden. Für Gifhorn bin ich froh, dass Ruhe in die Schullandschaft einkehrt."
JöB/be
Happy End? - Kommentar von Dirk Reitmeister

Bühnenreif war die Standortwahl für die erste Integrierte Gesamtschule im Kreis Gifhorn nicht, es sei denn es sollte eine Groteske werden oder ein Polit-Lehrstück, wie man es nicht machen sollte. Seit gestern Nachmittag haben Eltern, Schüler und sonstige Interessierte das mühsame Werk endlich überstanden: Der Gewinner ist die Sassenburg.
Der fade Beigeschmack bleibt, dass die Kreisstadt ihren Oscar wegen schwacher Präsenz und mangelnder Ausdruckskraft ihrer Hauptdarsteller verspielt haben könnte. Das klang gestern im Kreistag nicht nur bei den Mitbewerbern und Fürsprechern aus der Nachbarschaft durch, sondern auch in Selbstkritik jener Gifhorner, die das Lampenfieber überwunden hatten und die Polit-Bühne betraten. Da gab es allerdings vor allem Nebendarsteller-Preise zu gewinnen. Bleibt eines zu hoffen: Dass das Drehbuch IGS jetzt bessere Autoren findet. Mit einem guten Kollegium in der Sassenburg könnte es sogar ein Happy End geben.

d

Deftige Lektion - Kommentar von Jörg Brokmann

Manch einer fühlte sich ins Jahr 1954 versetzt. Regen im Wankdorf-Stadion in Bern. Fritz-Walter-Wetter. Die übermächtigen Ungarn mit 3:2 in die Knie gezwungen. Auch gestern kämpfte sich der Außenseiter im Rittersaal zum Sieg - zum verdienten Erfolg auf der ganzen Linie. Trotz stichhaltiger Argumente gegen Sassenburg als IGS-Standort traf der Kreistag die richtige Wahl. Wer sich dermaßen konzeptlos und arrogant präsentiert, muss sich nicht wundern, böse abgestraft zu werden. Selbst den Stadtpolitikern war es getern fast peinlich, sich pro Gifhorn auszusprechen. Der Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden hatten geradezu darum gebettelt, eine Lektion erteilt zu bekommen. Davon gilt es sich erstmal zu erholen, während Sassenburg frohlockt.